Jahrmarktsorgeln

Im Foyer des Museums sind zwei Jahrmarktsorgeln zu bewundern, die beide aus dem benachbarten süddeutschen Raum stammen. Die einst als „grösste reisende Jahrmarktsorgel der Welt“ angepriesene Orgel der Firma Karl Frei und Sohn (112 Spur) wurde in Waldkirch bei Freiburg i. B. im Jahre 1949 gebaut und im Jahre 1968 von Karl Frei junior zur damals weltgrössten reisenden Jahrmarktsorgel umgebaut. Sie erreicht mit ihren schwenkbaren Flügeln eine Länge von rund 12 Metern und hat ein Gewicht von rund 6 Tonnen. Die Orgel mit rund 650 Pfeifen war im Besitz des Schaustellers Zierer in München, der sie 1969 an die Conklin-Show nach Toronto verkaufte. Die Orgel reiste in der Folge kreuz und quer durch den amerikanischen Kontinent und war Teil einer grossen Jahrmarktsshow. Wegen finanzieller Schwierigkeiten musste ein grosser Teil der Show 1981 verkauft werden, weshalb die Orgel zurück nach Europa und ins Museum nach Seewen kam. Bei der zweiten, etwas kleineren Jahrmarktsorgel handelt es sich um ein Instrument von Anfang des 20. Jahrhunderts (Orgel Nr. 3546) der Firma Wilhelm Bruder Söhne, ebenfalls aus Waldkirch bei Freiburg i. B. Die Orgel (62 Spur) wurde 1958 in Wien für die Sammlung des Museums für Musikautomaten erworben.
Frei-Jahrmarktsorgeln

Während der Blütezeit der Drehorgel in der Periode zwischen den beiden Weltkriegen prägte Karl Frei (1884-1967) den Drehorgelbau in den Niederlanden. Bereits im Alter von neun Jahren bekam er an der städtischen Musikschule in Waldkirch Unterricht in Harmonielehre und Kontrapunkt. Seine Lehrzeit absolvierte er bei Wilhelm Bruder Söhne in Waldkirch und bei Ludovico Gavioli in Paris. Er arbeitete jedoch auch für die belgischen Orgelbauer Mortier und De Vreese. Nach dem Ersten Weltkrieg liess sich Frei im niederländischen Breda nieder, wo er seinen eigenen Betrieb gründete. Nach 1945 musste er mit seinem Betrieb, in welchem nun auch sein gleichnamiger Sohn Karl junior, mitarbeitete, nach Waldkirch umsiedeln.
Bruder-Jahrmarktsorgeln

Gründer des Waldkircher Orgelbaus war Ignaz Bruder, der sich wahrscheinlich in Mirecourt in den Vogesen mit Orgelbau bekannt machte. Vier seiner Söhne gründeten die Firma Gebrüder Bruder: Andreas, Ignaz II, Xaver und Wilhelm. Zwei Söhne dieses Wilhelms, Wilhelm II (1841-1893) und Arnold (1842-1918) gründeten die Orgelfabrik Wilhem Bruder Söhne, die später von ihren Kindern und Enkeln weitergeführt wurde. Zwei Söhne von Ignaz II stellten Orgeln unter dem Firmennamen Ignaz Bruder Söhne her.
